WWDC 2019 - Was App Produktmanager jetzt wissen müssen

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Für App Enthusiasten ist die WWDC das jährliche Highlight im Apple Universum. Hier werden alle softwareseitigen Neuerungen vorgestellt und das zukünftige Nutzerverhalten geformt. Wir fassen die vier wichtigsten Themen der diesjährigen Konferenz zusammen.

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SwiftUI

Frontend Entwicklung ist aufwändig. Oftmals lästige Fleißarbeit. Und viele Entwickler sehen sich gezwungen (die Gründe dafür sind mannigfach), besonders komplexen custom Code zu implementieren, um Anforderungen umzusetzen, die sich mit den von Apple bereitgestellten Standard Komponenten nicht realisieren lassen. Diesen Problemen hat sich Apple in den letzten Jahren still und heimlich angenommen und nun völlig überraschend das SwiftUI Kit als Teil der neuen Xcode Version präsentiert.

Apple selbst beschreibt SwiftUI als ein innovatives und ausgesprochen einfaches Werkzeug, um Interfaces für alle Apple Plattformen zu entwickeln. Mit dabei ist ein mächtiger Editor, der ohne langwierige Kompiliervorgänge Änderungen live visualisiert und sogar das Zusammenstellen von Screens mit Standardkomponenten per drag and drop ermöglicht. Besonders toll: bei der Verwendung von SwiftUI ist automatisch die Unterstützung für Dark Mode, Lokalisierung und Accessibility-Funktionen gewährleistet.

Schon während der Vorstellung auf der Bühne war die Begeisterung riesig. Tosender Applaus, vor allem aus den hinteren Reihen des McEnery Convention Centers. Dort wo die erfahrenen Entwickler sitzen. Und auch nach Bereitstellung der neuen Xcode Version überschlägt sich die Developergemeinde mit Lobesarien, Danksagungen an Apple und Beispielen für besonders effizienten SwiftUI Code. Vereinzelt gibt es noch gewisse Einschränkungen, das ist aber zum Start keine Überraschung und wird in den kommenden Monaten und Jahren selbstverständlich besser und besser. Das ist die Zukunft! 🚀

SwiftUI reduziert die Aufwände bei der Umsetzung von Interfaces also enorm und entkräftet somit das zentrale Argument gegen die native Entwicklung von Apps. Wer eine neue App oder den Relaunch der bestehenden App plant, sollte unbedingt auf SwiftUI setzen. Das spart nicht nur bei der initialen Entwicklung Zeit und Nerven, sondern produziert auch sehr viel besser les- und wartbaren Code.

Ganz nebenbei läutet SwiftUI ein neues Zeitalter des App Designs ein. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein (im schlimmsten Falle Web-) Designer mit einem weißen Blatt Papier beginnt, darauf eine App zeichnet und es anschließend die Aufgabe des Entwicklers ist, dieses Design Pixel für Pixel umzusetzen. Wir sind uns sicher: Dieser Prozess muss umgekehrt werden. Dazu an anderer Stelle noch ausführlichere Gedanken von uns.

Der neue Home Screen mit angepinnten Widgets.

Der neue Home Screen mit angepinnten Widgets.

Multi Tasking für Apps im Slide Over Modus.

Multi Tasking für Apps im Slide Over Modus.

Einhändig bedienbares Keyboard.

Einhändig bedienbares Keyboard.

iPadOS

Während Google es bis heute nicht geschafft hat, eine auch nur ansatzweise akzeptable Lösung für Android Tablets zu präsentieren, genießt das iPad seit Tag Eins einen hohen Stellenwert bei Apple. Mit iOS 11 und der Einführung von Slide Over und Split View hat das iPad dann nochmals einen enormen Sprung nach Vorne und in Richtung eines vollwertigen Notebook Ersatzes gemacht. Ein paar, teilweise gravierende, Einschränkungen blieben jedoch auch nach den Detail-Verbesserungen im Rahmen von iOS 12 bestehen. Hier setzt iPadOS an.

iPadOS basiert wie gehabt auf iOS, erweitert das Betriebsystem aber sinnig um auf die Plattform zugeschnittene Erweiterungen. Die wichtigsten sind:

  • Der neue Home Screen nutzt den vorhanden Platz besser und ermöglicht das Anpinnen von Widgets.
  • Neue Gesten erlauben den schnelleren Wechsel zwischen Apps, besseres Text Editing und vieles mehr.
  • Eine App kann nun gleichzeitig in mehreren Fenstern aktiv sein.
  • App Exposées, wie schon bekannt vom Mac, ermöglichen den Wechsel zwischen unterschiedlichen Spaces.
  • Die Dateien App hat ein umfassendes Update erfahren und ähnelt nun sehr viel mehr dem Finder auf dem Mac.
  • Safari auf dem iPad ist jetzt ein vollwertiger Desktop Browser.

Wer die komplette Liste der Neuerungen lesen möchte, kann das auf dieser Informations-Seite von Apple machen.

iPadOS ist mehr als ein marketingbedingter Namenswechsel oder das nächste alljährliche Upgrade des Betriebsystems. Vor allem ist iPadOS ein klares Signal von Apple, dass der Formfaktor Tablet auch in den kommenden Jahren ernst genommen und eine zunehmend wichtigere Rolle einnehmen wird. Insbesondere im professionellen Umfeld.

Am Rande sei erwähnt, dass sich iPad Apps nun auch mit sehr überschaubarem Aufwand zu einer Mac App portieren lassen. Auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man bereits eine iPad App hat und der Mac als Plattform grundsätzlich in Frage kommt.

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Dark Mode

In den letzten Jahren haben wir einigen unserer Kunden empfohlen, einen Dark Mode in ihren Apps zu implementieren. Nutzer lieben ihn, er schaut oft einfach wahnsinnig schick aus und hin und wieder eignet sich das Feature auch gut zur Monetarisierung. Besser zumindest als lästige Werbebanner mit einem katastrophalen TKP, die sich negativ auf die gesamte User Experience auswirken - das aber ist ein Thema für einen anderen Tag.

Nun führt Apple jedenfalls den Dark Mode flächendeckend auf Betriebsystem-Ebene ein. Heißt: Der Nutzer kann manuell oder nach zeitbasierten Regeln auch automatisiert in den Dark Mode wechseln. Alle System-Apps und Drittanbieter Apps mit Support für die dunkle Darstellung wechseln dann automatisch den Anzeige-Modus. Alle anderen Apps strahlen dem Nutzer weiterhin grell und ignorant in sein Gesicht.

Zum Launch von iOS 13 wird App Publishern von ihrer Nutzerschaft sicherlich nicht der Kopf abgerissen, wenn ihre Apps den Dark Mode noch nicht unterstützen. Im Laufe der Zeit wird ein Support für die dunkle Darstellung aber immer selbstverständlicher werden. Und wer dann noch negativ auffällt und die Wünsche seiner Nutzer ignoriert, wird das in den Reviews zu spüren bekommen.

Wer jetzt eine Unterstützung für den Dark Mode plant, sollte den Aufwand dafür nicht unterschätzen. Ganz besonders dann, wenn die App sich abseits der Apple Standards bewegt und viele custom Komponenten einsetzt. Womit wir wieder beim Thema SwiftUI wären. Mit einem banalen invertieren der Farben ist es jedenfalls nicht getan, soviel sei verraten. Ein guter Einstieg in die Details ist diese WWDC Session.

Icons, Icons, Icons.

Icons, Icons, Icons.

SF Symbols

Icons in Apps sind seit jeher ein schwieriges Thema. Das Designen von Icons ist aufwändig und daher werden meist bestehende Icons aus dem weltweiten Internetz ein klein wenig verfremdet und den eigenen Bedürfnissen entsprechend angepasst. Dadurch entsteht oftmals ein inkonsistenter Mix an Strichstärken, Stilen und Bildsprachen.

Besonders schlimm wird es, wenn Designer dabei auch noch über das Ziel hinausschießen und bereits gelernte, allseits bekannte Icons wie beispielsweise das für Teilen mit Eigenkreationen ersetzen. Hierunter leidet dann nicht nur die Optik, sondern vor allem die Usability.

Noch dazu ist der Umgang mit grafischen Icons nicht ganz einfach für die Entwicklung. Das Ausrichten von Grafiken zu Text ist mühselig und fehleranfällig. Spätestens wenn der Nutzer dann auch noch die Schriftgröße anpasst, stimmt das Zusammenspiel von Icon und Text in einem Button nicht mehr. Derartige Beispiele gibt es in der Praxis zuhauf.

Apple tritt diesem Problem entgegen und bietet seiner Entwicklergemeinde SF Symbols zur freien Verwendung an. Darin enthalten sind mehr als 1.500 vektorbasierte Icons in jeweils neun Stärken. In fast allen Fällen wird man hier das passende Icon finden.

SF Symbols ist jedoch weit mehr als eine umfangreiche Kollektion an ikonischen Zeichen. Die Besonderheit ist, dass die Icons weniger wie eine Grafik, sondern eher wie Sonderzeichen einer Schrift behandelt werden. Das führt dazu, dass sich Icons bei der Anpassung von Schriftgrößen im Sinne eines harmonischen Gesamtbildes automatisch angleichen und Gewichtungen, Ausrichtungen etc. korrekt skalieren. Das funktioniert nicht nur mit der Standard Systemschrift von Apple, San Francisco, sondern auch der eigenen Hausschrift.

Und wer in dem riesigen - und vermeintlich stetig wachsenden - Pool an Icons tatsächlich nicht fündig werden sollte, der braucht sich keine Sorgen machen: alle Icons lassen sich exportieren, anpassen und re-importieren oder sogar eigens kreierte Icons hinzufügen, basierend auf den bereitgestellten Templates, um die beschriebenen Verhaltensweisen gewährleisten zu können.


Herr Clauß

Herr Clauß

Herr Raimund

Herr Raimund

 

Bereit, die gesammelten Neuerungen der WWDC in Angriff zu nehmen? Klopf bei uns an. In der neuen Abteilung wird deine App schöner, einfacher, greifbarer. Und es herrscht eigentlich immer gute Stimmung.