Wie wir an neue Projekte herangehen

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Wenn in der neuen Abteilung das Telefon klingelt und ein frisches Konzept für eine neue oder bestehende App gefragt ist, drehen sich unsere Gedanken in den ersten Tagen meist um drei zentrale Fragen. Wer sich die Zeit nimmt, auf diese Fragen die Antworten zu finden, hat ein solides Fundament geschaffen und ist auf dem richtigen Weg. Worum geht es also?

Was macht die App?

Klingt simpel, ist es aber nicht. Das Herz der eigenen App mit nur einem Satz zu beschreiben, das fällt vielen wahnsinnig schwer. Vor allem weil ein banales Auflisten von Funktionen nicht erlaubt ist. Gerade deshalb ist diese Übung aber wahnsinnig wichtig. Wir sind jedes Mal wieder erstaunt, dass selbst in seitenlangen, detaillierten Lastenheften diese Kernaussage nie zu finden ist, dafür aber ausgeklügelte Featurelisten, die am Ende des Tages dann doch zusammengestrichen werden.

Für uns ist die Antwort auf auf die Frage „Was macht die App?“ die Grundlage für alles Weitere und deshalb konzentrieren wir im ersten Schritt unsere Aufmerksamkeit vor allem darauf, diese eine Nuss zu knacken.

Sobald klar ist, was exakt die App erreichen und leisten soll, fällt vieles sehr viel einfacher. Sehr viel schneller erkennt man, welche Funktionen gestrichen, und welche ausgebaut werden sollten. Die Abstimmungen innerhalb des gesamten Projektteams fallen leichter, da alle Beteiligten das Selbe vor Augen haben. Es gibt keine unpassenden Vergleiche zu ähnlichen Apps mehr, die letztlich doch etwas ganz anderes machen. Und auch das Marketing weiss frühzeitig, in welche Richtung es starten kann.

Klingt sinnvoll oder? Finden wir auch. Bitte machen Sie das künftig so.

Wer nutzt die App?

Das Look & Feel einer App muss auf die Nutzerschaft hin optimiert werden. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler. Ganz egal also wie futuristisch der Produktmanager sein will, oder welche Apps gerade im Trend sind: wenn es nicht zur Zielgruppe passt, hat es in der App nichts verloren.

Eine App mit der man seine Hausaufgaben verwaltet, sollte aber nicht nur ganz anders gestyled werden als eine App mit der man sein Hörgerät konfiguriert, sondern auch unterschiedliche Level der Vertrautheit mit der mobilen Plattform voraussetzen. Manche Gesten kennt die Generation Snapchat in- und auswendig, aber ihre Großeltern unter Umständen noch nicht. Das gilt es bei der Konzeption zu berücksichtigen.

Je nach Zielgruppe können auch Accessibility Features einen enormen Mehrwert schaffen, werden aber oft vergessen, so wie auch das Sound Design.

Klar ist: je besser man seine Nutzerschaft versteht, desto leichter fällt es ein passendes Konzept zu erstellen. Wer genug Zeit und Geld dafür hat, sollte Nutzerbefragungen im Vorfeld der Konzeption eines großen Meilensteins einplanen, sei es für Version 1.0 oder 5.0. Und wirklich jeder sollte nach Release seiner App die Nutzung im Auge behalten, um dann alles was nicht funktioniert zu verbessern oder wegschzumeissen und das was funktioniert zu optimieren.

Wo wird die App genutzt?

Bei vielen Apps macht es keinen Unterschied, wie die genauen Umstände sind, in denen sie genutzt werden. Es gibt aber auch Apps, bei denen das Nutzungsszenario einen enormen Einfluss auf die Konzeption oder sogar die unterstützen Geräte haben kann.

Ein paar Beispiele:

  • Eine App, die auf hoher See und unter der prallen Sonne verwendet wird, braucht ein kontrastreiches und auf keinen Fall kleinteiliges Interface
  • Apps die in Umgebungen ohne Datenverbindung eingesetzt werden, brauchen ein vernünftiges Konzept, um relevante Daten im Vorfeld zu laden
  • Wird eine App während dem Sport und dann nur punktuell verwendet, bietet sich eine Watch Adaption an - eine Tablet Variante kann man sich hingegen sparen
  • Soll eine App in einem beruflichen Umfeld Präsentationsinhalte darstellen, macht eine Umsetzung für das Smartphone wenig Sinn

Fazit

Wer möglichst genau absteckt, was die App erreichen will und sich auch noch Gedanken macht, wer die Zielgruppe ist und in welchem Kontext die App genutzt wird, der hat ein solides Fundament geschaffen. Und ohne das sollte man nicht loslegen mit seinem App Projekt. Außer man sehnt sich nach Schmerz und Tränen. Alle anderen gehen zuerst zum Architekten, danach zur Baufirma.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.