Sollte eine App auf allen Geräten laufen?

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Bei der Planung deiner App wirst du dich ziemlich schnell fragen, welche Geräte du unterstützen willst: Smartphone, Tablet, Smartwatch und TV stehen zur Auswahl. Lohnt es sich, alles zu unterstützen oder verursacht das einfach nur mehr Kosten? Womit sollte man loslegen? Und welches Gerät eignet sich am besten für deine App?

Die Grundlagen

Mehr ist mehr, aber…

Nur logisch ist es, dass es grundsätzlich besser ist, eine Tablet Variante seiner App zu haben, als keine. Dasselbe gilt für eine Smartwatch- und TV-Version und die zugehörige Messenger-App. Vorausgesetzt natürlich, jede dieser Apps wurde ordentlich umgesetzt. Außerdem sehen es Apple und Google ausgesprochen gerne, wenn all ihre schicken Devices unterstützt werden und dementsprechend steigen auch die Chancen, mit der eigenen App in den Stores gefeatured zu werden.

Wenn Zeit und Geld also keine Rolle spielen, dann ist in den allermeisten Fällen mehr ganz einfach mehr und die klare Empfehlung, so viele Geräte wie möglich und — ganz wichtig — inhaltlich sinnvoll zu unterstützen. 

In der grausamen Realität geht es dann aber natürlich doch sehr oft um ROI’s, Budget- und Timing-Restriktionen und andere Spaßbremsen, die einen dazu zwingen, Kosten und Nutzen abzuwägen. Jedes zu unterstützende Geräte will daher gut bedacht sein.

“Smartphone fix. Und dann mal schauen”

Der erste Reflex ist für gewöhnlich, mit dem Smartphone zu starten und den Support für andere Geräte erstmal hinten anzustellen. Dafür gibt es gute Gründe, primär natürlich die im Vergleich mit Abstand größte Marktdurchdringung der Smartphones. 

Und tatsächlich ist das auch für fast alle Applikationen ein guter Startpunkt. Eine sauber umgesetzte Smartphone App ist zudem eine gute Basis für die Tablet- und Smartwatch-Adaption. Dazu kommt, dass eine App für die Uhr rein technisch eine dazugehörige Smartphone App verlangt. 

Wer gezwungen ist, in einem sehr eng gesteckten zeitlichen oder finanziellen Rahmen zu planen, der macht für gewöhnlich nicht viel falsch, wenn er sich erstmal nur auf das Smartphone konzentriert.

Ganz so einfach wollen wir es uns hier aber nicht machen und schauen uns daher jetzt etwas genauer an, welche Eigenschaften welches Gerät auszeichnen und welche Arten von Apps sich auf ihnen jeweils am wohlsten fühlen. Wir verwenden meist Apple Produkte als Beispiele — das Ganze trifft so aber auch für Android zu.

Die Geräte

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Smartphone

Das Smartphone ist nicht nur der Klassiker unter den mobilen Geräten, sondern auch der Allrounder. Außerdem ist er immer griffbereit. Durch die immer größer gewordenen Displays machen nicht nur Spiele und Medienkonsum mehr Spaß, sondern auch komplexere Anwendungen lassen sich immer angenehmer bedienen.

Für alle, deren App Konzept etwas mit Umgebung, Standorten und Navigation zu tun hat, ist das Smartphone sowieso gesetzt. Ebenso für jede Applikation, die entweder zeitkritische Informationen (News, Börse, Notifications, etc.) anbietet oder auf spontane Impulse seiner Nutzer setzt (Shopping, Social Media, Dating, etc.). Obendrauf noch für alle, die ihre App vor allem unterwegs genutzt wissen wollen, auch wenn das Smartphone natürlich auch zuhause intensiv verwendet wird.

Grundsätzlich gilt: Wer vorhat, mit seiner Anwendung eine möglichst breite Masse zu erreichen, der kommt um das Smartphone nicht herum und ist in den meisten Fällen gut damit beraten, auf dieser Plattform mit der Konzeption, dem Design und der Entwicklung loszulegen.

Nur wer eine sehr spitze Zielgruppe vor Augen hat, beispielsweise seine Außendienstmitarbeiter, kann das Smartphone ignorieren. Für alle anderen ist es Pflicht.

Tablet

Wer glaubt, ein Tablet sei nur ein großes Smartphone, der versteht wohl auch den Unterschied zwischen Badewanne und Swimmingpool nicht. 

Auch wenn sich Smartphones und Tablets technisch ähneln, macht man doch ganz unterschiedliche Dinge damit. Spätestens mit dem iPad Pro und den Multitasking Funktionalitäten der neuen Betriebssystemversionen, wurde ein weiterer großer Schritt hin zur professionellen Nutzung des Tablets gemacht.

Jede Applikation, die einen hohen Grad an Komplexität und Funktionsumfang mit sich bringt, kann sich auf dem Tablet so richtig entfalten. Garageband, Keynote, iMovie, … es gibt unzählige Beispiele für mächtige und komplexe Anwendungen, die auf dem Smartphone zwar funktionieren, aber erst auf dem Tablet uneingeschränkt ihre Stärken ausspielen können.

Medienkonsum macht ebenfalls mehr Spaß auf dem Tablet, allen voran natürlich Videos. Aber auch Artikel lesen sich auf einem größeren Display einfach angenehmer. Spiele nutznießen für gewöhnlich auch von mehr Platz auf dem Screen.

Besonders spannend ist das Tablet auch für die firmeninterne Nutzung. Zum Beispiel, wenn man seine Außendienstmitarbeiter von überholten Katalogen erlösen und mit sexy, dynamischen und immer aktuellen Präsentationen ausstatten möchte. In diesen Fällen macht es auch manchmal Sinn, ausschließlich auf die Tablet Plattform zu setzen und die Applikation gar nicht erst in die öffentlichen App Stores zu stellen, sondern seinen Mitarbeitern auf anderem Wege zukommen zu lassen.

Im Gegensatz zu Smartphone Apps, muss sich eine Tablet App immer im Hoch- und Querformat bedienen lassen. Alles andere fühlt sich für den Nutzer falsch an und sorgt für Enttäuschung.

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Smartwatch

Mit der Apple Watch hat Apple eine ganz neue Gerätekategorie populär gemacht: Wearables. Allen Unkenrufen zum Trotz, hat sich die Apple Watch als eine für die Zukunft relevante Plattform etabliert und kann für viele Applikationen eine äußerst spannende Zusatzoption darstellen. 

Noch extremer als bei der Adaption von Smartphone zu Tablet, muss man die Smartwatch als gänzlich neue Plattform denken. Auch wenn es technisch erforderlich ist, zu seiner Smartwatch App ein Pendant auf dem Smartphone zu entwickeln, können und müssen die beiden Apps konzeptionell komplett eigenständig sein. Sie sollten kein Abbild voneinander sein, sondern sich vielmehr gegenseitig ergänzen.

Bei der Konzeption einer App für die Uhr hilft es, sich das typische Nutzungsszenario einer Smartwatch vor Augen zu rufen und zu überlegen, ob und wie sich das eigene App Konzept darin abbilden lässt. Anders als bei allen anderen Geräten beschränkt sich die Interaktion mit einer Smartwach App auf wenige Sekunden, optimalerweise drei oder weniger. Dafür aber ist das Handgelenk bei Bedarf blitzschnell wieder gehoben und die App somit stets verfügbar. 

Beispiele für gelungene Verlängerungen der zugehörigen Smartphone Apps liefert Apple gleich selbst: Mit den Remote Apps pausiere ich das Playback auf dem Apple TV, kann während einer Keynote Präsentation die Slides weiterblättern und den Auslöser meine Kamera für ein Gruppenfoto betätigen.

Aber auch Drittanbieter glänzen mit tollen Apps für das Armgelenk: Den runtastic Lauf über die Uhr zu pausieren oder die aktuelle Zeit und Puls während des Laufes zu sehen, macht einfach Sinn. Beim Podcast hören über die Overcast App Folgen zu skippen und mit der Krone die Lautstärke zu justieren geht schneller und angenehmer über die Watch App als über das iPhone. Besonders im Zusammenspiel mit den AirPods. Im Supermarkt die Einkaufliste mit Things direkt auf der Uhr abhaken zu können ist praktisch und macht Laune.

Hoffen wir, dass sich mittelfristig noch viele weitere Anbieter entscheiden, ihren Service auch auf der Smartwatch anzubieten, und dass das digitale Entwicklungsland Deutschland auch in Sachen Mobile Payment und Ticketing aufholt, wodurch die Smartwatch seinen zweiten Frühling erleben wird.

Wer mit dem Gedanken der Umsetzung einer Smartwatch App spielt, der sollte sich auch intensiv mit dem Thema Complications befassen. Damit ist es möglich, die eigene App direkt auf dem Watch Face, also dem Display der Apple Watch, zu platzieren. Dadurch kann man dem Nutzer nicht nur bereits auf der obersten Ebene Inhalte anbieten, sondern erleichtert auch den Zugriff und Start der eigenen App.

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TV

Als Apple ankündigte, dass sich das Apple TV künftig auch für Drittanbieter Apps öffnen wird, waren die Hoffnungen auf ein belebtes App-Ökosystem für das eigene Wohnzimmer groß. Gemeinsam mit Freunden vor dem Fernseher den nächsten Urlaub buchen, mit dem Partner Möbel shoppen, die Smart Home Zentrale steuern… Das klang alles ganz wunderbar. Doch mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht.

Ganz klar dominiert wird die Plattform TV von Streaming Apps, allen voran Netflix und Youtube. Alle derartigen Apps, die also den Zugriff auf eine Mediathek oder andere Unterhaltungsinhalte bieten, gehören zu den relevantesten Services auf diesem Gerät. In eine ähnliche Richtung gehen die ebenfalls gerne genutzten Apps der einschlägigen US-Sportarten wie NBA, NFL oder UFC.

Keine Überraschung ist, dass auch Casual Games wie Crossy Road und Mr. Crab 2 blendend funktionieren und Spiele einen Großteil der angebotenen Apps im TV Store ausmachen.

Was fehlt, sind Applikationen auf dem Apple TV, die mehr leisten, als Unterhaltungsinhalte anzubieten. Ein guter Zeitpunkt, mit seinem Service diese Nische zu besetzen, bevor die Konkurrenz loslegt. Noch warten die Nutzer jedenfalls sehnsüchtig auf spannende, neue Apps für ihren Fernseher und mit dem richtigen Produkt ist einem viel Aufmerksamkeit gewiss. 

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die TV Plattform in den kommenden Jahren entwickelt und ob der prognostizierte Anstieg von Smart Home Anwendungen und Produkten auch einen Effekt auf die TV Nutzung haben wird. Die Frage ist: Bleibt der Fernseher das dominierende Unterhaltungsmedium in den Haushalten, oder wird er mittelfristig durch Smartphones, Tablets und Notebooks abgelöst?

Messenger

Streng genommen ist der Messenger natürlich kein Gerät, sondern lediglich ein neuer Kanal, über den künftig immer mehr Apps verbreitet und genutzt werden. Auch wenn das Thema Messenger Apps, zumindest hierzulande, noch in den Kinderschuhen steckt, ist der Hype und das Potenzial enorm und daher soll die Plattform hier nicht unerwähnt bleiben.

Direkt im Gruppenchat einen gemeinsamen Termin für ein Treffen finden, Geld für ein Geburtstagsgeschenk eintreiben oder Karten für den Kinofilm reservieren, von dem man gerade gelesen hat — und das alles ohne die Messenger Apps zu verlassen. Das macht Sinn und Spaß. Schwer vorstellbar, dass sich das nicht auch bei der breiten Masse durchsetzen wird. 

Dazu kommt, dass Facebook mit seiner schier unermesslichen Reichweite und maximal tiefen Taschen das Thema ganz oben auf seiner Agenda stehen hat und enorm pushen wird. Apple hat ebenfalls schon alles vorbereitet, um künftig mehr qualitative Apps über den iMessage App Store zu verbreiten. Die anderen üblichen Verdächten basteln natürlich auch schon fleissig an den eigenen Lösungen.

Für Unternehmen wird es wie immer bei neuen Plattformen darum gehen, möglichst frühzeitig Potenzial zu erkennen und für sich zu nutzen. Und zwar mit einer gut durchdachten App, die ihren bestehenden Service sinnvoll in den Messenger verlängert. Wir freuen uns darauf!

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Das Fazit

Wer es sich leisten kann, der sollte seinen Service auf allen Geräten anbieten und seine Nutzer dadurch genau dort abholen, wo sie gerade sind. Alle anderen überlegen sich, auf welchen Geräten ihr Produkt am meisten Sinn macht und legen erstmal damit los. Entscheidend ist immer eine auf das jeweilige Gerät frisch gedachte und optimierte App. Dafür gibt es keine Abkürzungen und Tricks. Aber Hilfe von der neuen Abteilung.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.