So klappt es mit der Smart Home App

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Smart Home ist das Thema der Stunde. So gehyped wie der Markt wird, so jung ist er auch. Dementsprechend gesellt sich zum enormen Potenzial eine große Portion Unsicherheit. Bei den Endkunden und bei den Publishern.

Was es braucht, sind mehr hochklassige Produkte und Services, um das Vertrauen in die Smart Home Zukunft zu stärken und dem Thema dadurch zum endgültigen Durchbruch in den Massenmarkt zu verhelfen. Dazu leisten wir unseren Beitrag und teilen ein Best Of der wichtigsten Learnings aus unseren bisherigen Smart Home Projekten.

HomeKit & Google Home

An einer Unterstützung der systemseitigen Standardlösungen von Apple und Google führt kaum ein Weg vorbei. Die Vorteile für den Endnutzer sind so groß, dass ein Support für HomeKit oder Google Home ein zentrales Entscheidungskriterium beim Kauf eines Smart Home Devices sein kann.

Durch die tiefe Integration in das Betriebsystem entstehen Zugangswege und Optionen für den Endnutzer, die ein Drittanbieter schlicht nicht bieten kann. Allen voran natürlich die Steuerung von Geräten und Szenen über den jeweiligen Sprachassistenten, aber auch den schnellen Zugriff über prominente Bereiche innerhalb der System-Oberfläche, so wie beispielsweise Widgets oder dem iOS Kontrollzentrum.

 iOS Kontrollzentrum

iOS Kontrollzentrum

Die Unterstützung von HomeKit ist seit der Einführung von iOS 11.3 übrigens sehr viel einfacher geworden. Dadurch ist die Notwendigkeit entfallen, einen speziellen Co-Prozessor in der Hardware zu integrieren. Stattdessen ist es inzwischen möglich, eine softwareseitige Authentifizierung vorzunehmen.

Durch das rasante Wachstum des gesamten Marktes, entstand in kürzester Zeit eine enorme Bandbreite an unterschiedlichen Geräten. Das ist nicht nur für Publisher eine Herausforderung. Auch Apple und Google stoßen mit den aktuellen Lösungen an ihre Grenzen. So ist beispielsweise die intuitive Unterscheidbarkeit zwischen gegensätzlichen Gerätetypen (Leuchte und Bewegungssensor) kaum gegeben. Ein größeres Update, das dieses Problem und andere Schwachstellen adressiert, ist zu erwarten.

Eigene App

Zusätzlich zur Unterstützung der Standards von Google und Apple, macht eine eigene App für Anbieter von Smart Home Devices fast immer Sinn.

Neben den offensichtlichen Vorteilen wie positiven Effekten für das Branding und bei der Kundenbindung, gibt es einen weiteren unumstößlichen Grund: HomeKit und Google Home unterstützen nicht alle Funktionen und Möglichkeiten der eigenen Hardware. Ohne eigene App wird beispielsweise ein Update der Firmware schwierig. Auch nette Spielereien, wie das langsam heller werdende Aufwachlicht von Philips Hue kann nur in einer eigenen App realisiert werden.

 Natürlich Aufwachen von Philips Hue

Natürlich Aufwachen von Philips Hue

Will man also das Maximum aus den eigenen Devices herausholen (und warum sollte man das nicht?), dann führt kein Weg vorbei an einer eigenen App, spezifisch optimiert auf die konkreten Gegebenheiten.

In den exotischen Sonderfällen, in denen Apple und Google von Haus aus alle Möglichkeiten der eigenen Hardware abbilden, kann man natürlich in Frage stellen, ob es zusätzlich noch eine eigenständige Applikation braucht.

Für Anbieter von mehreren Devices innerhalb eines Smart Home Ökosystems, stellt sich eine weitere spannende Frage: Bekommt jedes Gerät eine eigene App, oder werden alle Funktionen in einer zentralen App gebündelt? Dabei tendieren viele instinktiv dazu, sich für die zweite Variante zu entscheiden. Ein Schritt, der wohl überlegt sein will. Im Falle von Philips Hue mag das viel Sinn machen, da alle Devices ähnliche Funktionen und Anforderungen haben und eng zusammenspielen. Gehen die Geräte aber funktional weit auseinander, kann das zu einer großen Komplexität führen, wenn man alles in einer App abbilden möchte. Das bezieht sich nicht nur auf die Komplexität bei der Konzeption und Entwicklung, sondern vor allem auch der wahrgenommenen Komplexität für den Nutzer.

Eine optimale User Experience muss immer an erster Stelle stehen und unter diese Prämisse sollte die Entscheidung single purpose vs multi purpose gefällt werden.

Grobkonzept

Es gibt drei fundamentale Aspekte, die in nahezu jeder Smart Home App von entscheidender Bedeutung sind.

  • Hierarchische Struktur: wie werden die Wohneinheiten, Räume und Geräte gegliedert?
  • Trigger vs Geräte: einmaliges Setup oder kontinuierlicher Zugriff notwendig?
  • Automatisierungen & Szenen: wie spielen die Geräte und Trigger zusammen? Diese drei Punkte müssen im Rahmen des Grobkonzepts geknackt werden und stellen die Basis für alles Weitere dar. Wer hier danebenliegt, wird die Grundstruktur seiner App zu einem späteren Zeitpunkt überarbeiten müssen. Das ist typischerweise mit hohen Aufwänden verbunden.

Casual User & Power User

Smart Home ist weder den völlig unbedarften Großeltern, noch den jugendlichen Geeks alleinig vorbehalten. Eine derart homogene Zielgruppe gleichermaßen zufriedenzustellen ist nicht einfach.

Als Faustregel gilt: Jede Funktion muss durch eine selbsterklärende und klar ersichtliche Navigation erreichbar sein. Das kann dazu führen, dass man auch mal ein, zwei Taps mehr benötigt, um an sein Ziel zu kommen, als mit einer versteckten Geste, wie beispielsweise einem horizontalen Swipe auf einem Listenelement. Trotzdem ist das unabdingbar, so dass sich auch völlig unbedarfte Nutzer zurechtfinden und kein Frustmoment entsteht.

 Swipe in Mail

Swipe in Mail

Im zweiten Schritt kann man sich dann Gedanken machen, wie man seinen versierteren Nutzern Abkürzungen anbieten kann. 3D Touch, versteckte Gesten, Widgets, Watch Komplikationen, ... es gibt viele Möglichkeiten, um den Weg zwischen Absicht und Ergebnis zu verkürzen.

Onboarding ist King

Bei kaum einer Sparte von Apps ist das Thema Onboarding so entscheidend wie bei Smart Home. Wer beim initialen Einrichten schon in Schwierigkeiten läuft, der wird einen schlechten Beigeschmack behalten. Wie heißt es so schön: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Mit einem unnötig komplizierten Setup-Prozess stehen die Chancen schlecht, dass das eigene Produkt weiterempfohlen wird oder zusätzliche Geräte nachbestellt werden.

Noch dazu ist das Thema Smart Home sowieso bei vielen noch immer als kompliziert verschrieen. Eine tolle Chance also, mit einem eleganten und knackigen Onboarding positiv zu überraschen.

Das Ziel muss es sein, den Nutzer schnellstmöglich zu ersten Erfolgen zu führen. Sei es das erste Leuchten der neuen Lampe oder das erste Live-Bild der neuen Security-Kamera.

Dementsprechend bitte bloß keine (mehr oder minder interessanten) Screens zum stupiden Durchwischen beim ersten Start mehr. Kein Mensch hat Lust, lange Bedienungsanleitungen zu lesen, die einem letztlich doch nur das Gefühl vermitteln, dass das alles wahnsinnig komplex ist.

Genau das Gegenteil ist der Trick. Die App muss als ein Werkzeug fungieren, das mögliche Verständnisprobleme und Unsicherheiten negiert. Wichtig ist also eine enge Nutzerführung und regelmäßiges Feedback innerhalb des Setup-Prozesses. Was uns zum nächsten Punkt bringt.

Feedback ist (ebenfalls) King

Smart Home Devices bieten meist hervorragende Möglichkeiten, um dem Nutzer Rückmeldung zu geben.

Lichter können kurz aufblinken. Sensoren piepsen. Kameras filmen. Lautsprecher können sich zu Wort melden.

Wer von all diesen Möglichkeiten im richtigen Moment Gebrauch macht, schafft auf Nutzerseite nicht nur wertvolle Aha-Momente, sondern vor allem auch Bestätigung in dem was er da gerade tut und Vertrauen in das Produkt und den gesamten Service.

Voice Barrieren durchbrechen

Noch immer haben viele Menschen Vorbehalte und Hemmungen, mit einem Sprachassistenten zu kommunizieren. Dabei erschließt sich der Vorteil dieser Kommunikationsform meist sehr schnell, sobald man es ein paar mal ausprobiert hat. Und besonders im Kontext Smart Home, wo es oft um kurze Befehle wie das Wechseln zwischen Szenen geht, stellt eine Steuerung per Sprache oftmals die schnellste und beste Lösung dar.

Darum sollte man sich Gedanken machen, wie man den Nutzer auf elegantem Wege dazu bringt, über den eigenen Schatten zu springen.

Dabei ist Feingefühl gefragt. Nicht überfordern, nicht alles auf einmal. Stattdessen punktuell in kleinen Dosen die Kommunikation anregen. Man darf, speziell während des Einrichtungsprozess, sogar überlegen, ob man den Nutzer nicht sogar zwingen möchte, mit ein, zwei Sprachbefehlen zum nächsten Schritt zu gelangen.

 
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Wichtig ist es auch, dass ein Service nicht nur initial und einmalig auf die Möglichkeiten der Sprachsteuerung hinweist. Wenn die Tracking-Daten darauf schließen lassen, dass ein Nutzer kaum oder gar keinen Gebrauch davon macht, dann kann man immer mal wieder zu geeigneten Zeitpunkten mit ein paar Vorschlägen und Hinweisen inspirieren. Und irgendwann kommt dann auch der Letzte auf den Geschmack.

Sorgen & Vorbehalte ernst nehmen

Nicht nur beim Thema Voice gilt es, die Bedenken der Nutzer ernst zu nehmen. Und Bedenken gibt es noch eine ganze Menge.

Kein Wunder. Schließlich reden wir von einem jungen Markt. Noch dazu geht es um das geliebte Zuhause, privater wird es kaum.

Entsprechend groß sind die Sorgen, wenn es um Sicherheit und Privatsphäre geht. Und entsprechend gering ist die Toleranz, wenn mal etwas nicht so funktioniert wie es soll. Der gute, alte Lichtschalter beispielsweise, der hat nie Probleme gemacht. Und daran wird jede Smart Home Lösung gemessen. Auch wenn sie so viel mehr kann, als An und Aus.

Stabilität und eine einwandfreie technische Umsetzung sind daher eine zwingende Grundvoraussetzung. Alles andere wird keine Akzeptanz finden. Erst recht nicht, wenn es um sicherheitskritische Devices geht, wie Türschlösser oder ähnliches.

 
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Aber auch darüber hinaus muss man verstehen, welche Sorgen Nutzer haben können. Eine Kamera muss sich beispielsweise schnell und einfach ausschalten lassen. Und zwar so, dass man sich sicher sein kann, dass definitiv keine Aufnahmen von mir im Bademantel mit wildem Haar auf irgendwelchen Servern herumfliegt.

Hier kommt auch das allgemeine Image des Brands ins Spiel. Wer einen schlechten Ruf hat, was den Umgang mit Nutzerdaten angeht, der wird sich logischerweise schwerer dabei tun, Käufer für seine Kamera oder den Voice Assistant zu finden, da diese sensible Daten verarbeiten. Auf das gute Image eines Brands im Smart Home Sektor zahlt eine ganze Menge ein - nicht zuletzt die dazugehörige App.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.