Onboarding: wenn überhaupt, dann gscheid

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Eine Zeit lang war Onboarding der heiße Scheiss. Überall gab es best practices, Do’s & Dont’s, Vorträge und viel Bliblablubb zum Thema. Geführt hat das dazu, dass inzwischen jede zweite App beim ersten Start ein paar Screens zum Durchwischen anzeigt. Aber war das wirklich mal der Gedanke hinter Onboarding? Eine Sinnsuche.

Was ist Onboarding?

Die offizielle Definition lautet the action or process of integrating a new employee into an organization or familiarizing a new customer or client with one's products or services.

In unserem Kontext geht es also darum, seinen Nutzern die Funktionsweise der App nahezubringen.

Warum ist Onboarding wichtig?

Wir alle kennen die schrecklichen Statistiken, die besagen, wie schwer es ist Nutzer überhaupt zum Download seiner App zu bewegen und wie viele sie dann trotzdem schon nach kurzer Zeit für immer verlassen.

Versteht ein Nutzer nicht sofort, was ihm die gerade geladene App für einen Mehrwert bietet, und wie sie funktioniert, dann ist das Hauptgrund #1, sie nicht mehr zu starten.

Ein gelungenes Onboarding soll und kann hier Abhilfe schaffen und die Grundlage für eine langfristige Beziehung zwischen Nutzer und App schaffen. Höchst romantisch!

Welche Arten von Onboarding gibt es?

Eine ganze Menge, die sich jedoch grob vier Kategorien zuordnen lassen. Und diese vier Kategorien sortieren wir von katastrophal bis zu Premium mit fünf Sternen.

Ganz schlimm:

Bevor man starten kann mit dem, was man eigentlich machen wollte und wofür man die App überhaupt geladen hat, heißt es erstmal Geduld. Denn die App hat für einen entschieden, erstmal jeden Screen abzudunkeln, um dann der Reihe nach Sinn und Funktionsweise jedes einzelnen Buttons zu erklären. Tipp, weiter, Tipp, weiter, Tipp, weiter… deinstalliert. Zu Recht!

Es sind immer wieder die gleichen drei fehlgeleiteten Annahmen, die Publisher dazu bringen, so ein Tippspiel zu verbrechen.

Entweder das Konzept ist schlecht und jeder Button braucht tatsächlich ein halbes Handbuch, oder aber die Nutzer der App werden schlichtweg für dumm gehalten. Das ist beides alles andere als optimal. Und dann gibt es noch die Produktverantwortlichen, die ein derartiges Feature tatsächlich für cool und beeindruckend halten, auch wenn diese sinnlose Effekthascherei schon vor Jahren niemand mehr vom Hocker hauen konnte.

Schlimm:

Fast genauso schlimm sind die nicht tot zu kriegenden drei seitlich wischbaren Screens beim Start jeder App. Der Nutzer hat die App gerade geladen und braucht daher kein Marketing-Gewäsch mehr. Es hält ihn lediglich davon ab, die App zu verwenden. Er ist doch schon überzeugt, Mensch!

Merke: wenn das Onboarding keinen echten Mehrwert schafft, dann hat es in der App nichts verloren.

Hin und wieder ist eine derartige Lösung aber vertretbar. Beispielsweise ,wenn eine App zwingend gewisse Zugriffserlaubnisse benötigt, bevor es losgehen kann. Genaueres dazu in unserem Podcast oder Artikel zum Thema „Wie man richtig um Zugriff auf Nutzerdaten bittet“. Auch in Ordnung ist es, kurz und knackig auf zentrale Funktionen oder Änderungen hinzuweisen, von denen der Nutzer gegebenenfalls noch nichts mitgekommen hat, beispielsweise bei einem großen Update einer bestehenden App. Dann aber bitte wirklich kurz halten und wenn man sich unsicher ist, ob es ein Onboarding braucht, dann im Zweifelsfall einfach weglassen.

Gut:

Schick sind Apps, die sich mit sich selbst erklären. Oder anders ausgedrückt: Apps, die den Nutzer sofort nach dem ersten Start dazu bringen, die Kernfunktionen auszuprobieren und den Wert der Anwendung zu verstehen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Task Manager App Things 3, die ihren Nutzern eingangs eine ToDo Liste in die Hand gibt, die es zu erledigen gilt. Hat der Nutzer kurz darauf diese Liste ergänzt, abgehakt, verschoben und archiviert, hat er nicht nur ein sinnvolles Onboarding durchlaufen, sondern dabei alle Aspekte der App kennengelernt. Bravo.

Premium:

Das allerschönste ist eine App, die sich schon beim ersten Start vertraut anfühlt. Heißt so viel wie: das beste Onboarding ist immer noch gar kein Onboarding.

Hat man es geschafft, ein Konzept zu realisieren, das mit vertrauten Mechanismen ein intuitives Erlebnis auch für neue und unbedarfte Nutzer schafft, kann man getrost auf vorgeschaltete Hilfescreens und alles andere verzichten, was sich zwischen App und Nutzer drängt.

Fazit

Hat man das Gefühl, dass die eigene App einer Menge Erklärung bedarf, ist grundsätzlich etwas kaputt. Eine App sollte stets intuitiv bedienbar und verständlich sein. Das sind Merkmale einer gelungenen Konzeption und das Fundament einer jeden Fünf-Sterne-Applikation. Lässt es sich in manchen Fällen tatsächlich nicht verhindern, ein paar erklärende Worte an seine Nutzer zu richten, liegt die Kunst darin, dieses Onboarding möglichst elegant in das bestehende Konzept zu integrieren.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.