Monetarisierung: so verdient man Geld mit seiner App

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Cashmoney bitte - aber wie?

Hat man viel Geld, Zeit und Herzblut in die eigene App investiert, dann ist auch die Frage berechtigt, wie man damit jetzt gefälligst unfassbar reich werden kann. Und zwar schlagartig. Spoiler: Gar nicht so einfach das Ganze.

Die Grundlage für alles weitere stellen jedenfalls die unterschiedlichen Modelle dar, mit denen man Geld vom Konto seiner begeisterten Nutzern auf das eigene transferieren kann.

Bevor wir auf die sechs gängigsten Monetarisierungsmodelle näher eingehen, noch ein Denkanstoß: eine App kann natürlich auch indirekt einen finanziellen Wert schaffen. Eine den Online-Shop ergänzende App kurbelt die Verkäufe an, eine richtig schicke App für den Außendienst (hier erklären wir, wie das geht) kann Geld reinspülen und eine wirklich gute App als Ergänzung eines klassischen Online-Services macht das kostenpflichtige Gesamtpaket deutlich attraktiver.

Damit aber zu den verbreitetsten Spielarten der direkten Monetarisierung, die gerne auch miteinander kombiniert werden können und sich je nach Art der App mal mehr und mal weniger anbieten.

Monetarisierungsmodelle

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Kostenpflichtiger Download

Der Klassiker und wirklich jedem ein Begriff. Bevor die App heruntergeladen werden kann, muss ein vom App Publisher festgelegter Preis bezahlt werden. Simple as that, und genau diese Simplizität wissen viele zu schätzen. Vor allem Apps aus dem Kreativ- und Produktivbereich setzen auf dieses Modell. Ein paar Beispiele aus dem App Store:

Potenzielle Nutzer können allerdings auch Vorbehalte haben, eine App zu bezahlen, die sie zuvor nicht ausprobieren können. Wie groß diese Vorbehalte sind, hängt auch mit der Höhe des Preises zusammen. Logisch. Wer sich also noch kein über jeden Zweifel erhabenes Renommee erarbeitet hat, der tut gut daran, besonderes Augenmerk auf seinen App Store Auftritt zu legen. Das Vorschauvideo, die Screenshots, der Beschreibungstext: alle zur Verfügung stehenden Mittel sollten ausgereizt werden, um die Vorzüge der Applikation unmissverständlich rüberzubringen.

Für den Publisher stellt sich bei diesem Modell nicht nur die Frage nach dem passenden Preis, sondern auch nach der langfristigen Strategie. Wer nur ein einziges Mal zur Kasse bittet, kann sich womöglich keine kontinuierliche Weiterentwicklung leisten. Genau die wird aber erwartet. Und wer seine Nutzer zwingt, für Version 2.0 erneut zu bezahlen, läuft Gefahr, auf Unverständnis und Unmut zu stoßen. Hier ist ein guter Plan und Kommunikation mit Fingerspitzengefühl gefragt.

Werbung

Zurecht unbeliebt ist die Anzeige von Werbebannern in Apps. Der Publisher integriert das SDK eines Advertising Anbieters wie beispielsweise smaato in seine App und erhält künftig für jeden dargestellten Werbebanner Geld.

Wer mit Werbung in seiner App ordentlich Geld verdienen will, der braucht eine große und obendrauf sehr engagierte Nutzerschaft. Nur dann sammeln sich genug Impressions, also Werbebanner-Darstellungen innerhalb der App an, um seinen Selbsthass mit Champagner begießen zu können.

Abseits davon, dass die wenigsten Publisher ein ausreichend großes Publikum haben, schmälern Werbebanner den Eindruck der eigenen App. Nicht nur, dass die Banner den eigentlichen Inhalten und Funktionen Platz wegnehmen und mit dem Look & Feel der restlichen Applikation brechen, noch dazu wird meist ein Produkt beworben, das mit der App rein gar nichts zu tun hat. Pfui Teufel, weg damit!

Dass es auch besser geht, hat Marco Amend mit seiner populären Podcast Player App Overcast bewiesen. Bei ihm werden ausschließlich handverlesene Anzeigen für andere Podcasts angezeigt. Das ist zwar noch immer Werbung, aber immerhin macht es inhaltlich Sinn. Außerdem lassen sich die Werbebanner auch entfernen. Und zwar mit dem nächsten Monetarisierungsmodell auf unserer Liste.

In App Käufe

In App Käufe, auch bekannt als In App Purchases, beschreiben die Möglichkeit, direkt aus der App heraus Käufe zu tätigen, um zusätzliche Inhalte oder Funktionen freizuschalten, beziehungsweise Beschränkungen aufzuheben.

Salonfähig gemacht wurden In App Käufe durch Spiele, in denen man mit ihnen beispielsweise seinen Fortschritt beschleunigen oder neue Level freischalten konnte. Mittlerweile setzen diverse Applikationen auf dieses Modell, und das mit gutem Grund.

Es ist tendenziell einfacher, einen bestehenden, bestenfalls zufriedenen, Nutzer seiner, in der Basisversion womöglich sogar kostenlosen App davon zu überzeugen, für die inzwischen lieb gewonnene Applikation Geld auszugeben, als ihn wie beim ersten Bezahlmodell, dem kostenpflichtigen Download, direkt mit einer Rechnung zu begrüßen.

Ein weiterer großer Vorteil ist die durch In App Käufe ermöglichte Modularität. Statt die App in der maximalen Ausprägung und mit einem entsprechend höheren Preispunkt anbieten zu müssen, überlässt man den Nutzern die Wahl, ob die Basisvariante für sie ausreichend ist, oder ob sie Zusatzfunktionen und Inhalte dazubuchen wollen. Nicht jeder Nutzer braucht jedes Feature, ein wenig Flexibilität kann daher nicht schaden.

Kleine Randnotiz: mit iOS 11 wertet Apple In App Purchases deutlich auf und gibt den Publishern die Möglichkeit seine In App Pakete dediziert im App Store zu bewerben, wo sie dann durchsucht und auch gefeatured werden können und somit als zusätzlicher Kanal für das Entdecken der eigenen App fungieren.

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Abonnements

Das böse A-Wort, Gott bewahre uns! 😱

Noch immer gibt es - ganz besonders in Deutschland - große Vorbehalte, wenn es um Abo-Modelle geht. Der Grund ist vermutlich ein kollektives, tief sitzendes Trauma aus Zeiten der Klingelton-Mafia.

Wirklich schade, denn eigentlich stellen Abo-Modelle für viele Applikationen eine elegante und für alle Beteiligten faire Lösung dar.

Eine App kontinuierlich zu verbessern kostet Zeit und Geld. Ein einmaliger Kauf kann eine über Jahre fortlaufende Entwicklung oftmals nicht tragen oder rechtfertigen. Liegt einem Nutzer etwas daran, dass eine ihm wichtige App weiterbesteht, kann er durch das Abschließen eines Abonnements dem Publisher eine sonst schlichtweg nicht gegebene langfristige Planbarkeit geben und sich im Gegenzug auf viele tolle Updates freuen. Win-Win!

Noch dazu sind Sorgen vor sogenannten Abo-Fallen völlig unberechtigt, denn Google und vor allem Apple legen Wert auf eine für den Nutzer einfache und transparente Verwaltung seiner Abonnements. Mit wenigen Klicks ist jedes Abo gestoppt, ganz ohne stundenlanges Fluchen zum Soundtrack schrecklicher Warteschleifenmusik.

Abgeschlossen werden können Abos direkt aus der App heraus, so wie auch bei den einmaligen In App Käufen. Oftmals bietet es sich für Publisher an, eine kostenlose Testphase anzubieten, entsprechende Möglichkeiten liefern Apple und Google gleich mit. Das hilft zusätzlich Sorgen zu mildern.

Einzig im Bereich der Unterhaltungsmedien sind Abo-Modelle gesellschaftlich bereits uneingeschränkt akzeptiert. Sei es für Netflix, Maxdome, Spotify oder Apple Music: für seine Unterhaltung monatlich zu bezahlen, ist nichts ungewöhnliches mehr.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Thema künftig auch abseits von Entertainment-Inhalten entwickelt, und ob sich mehr Publisher trauen mit einem Subscription-Modell zu experimentieren. Uns würde es freuen!

Patronage & Spenden

In der Podcast Szene ist es bereits Gang und Gebe, seine loyale Hörerschaft um finanzielle Unterstützung auf freiwilliger Basis zu bitten. Von regelmäßigen Zahlungen wie bei einem Abo-Modell bis hin zu einmaligen Spenden in frei bestimmbarer Höhe ist vieles möglich auf entsprechenden Plattformen wie Patreon.

Hin und wieder sieht man dieses Modell auch in Apps. Die zuvor erwähnte App Overcast hat beispielsweise ein derartiges Modell ausprobiert, aber nach einer Weile eingestellt, da sich offensichtlich nicht der gewünschte Erfolg eingestellt hat.

Klar ist: dieses Monetarisierungsmodell funktioniert ausschließlich für Apps mit einer fanatischen Anhängerschaft, denen viel daran liegt, dass sie nicht verschwindet.

Dafür muss die App nicht zwangsläufig humanistische Ziele verfolgen, die Welt retten oder andere Großtaten vollbringen. Auch für Anbieter von Inhalten oder Services für sehr exotische, spitze Zielgruppen kann dieses Modell gut funktionieren. Wenn ich als begeisterter Hochsee-Fischer nach vielen Jahren des Wartens endlich eine richtig geile App für meine Leidenschaft entdecke, dann bin ich liebend gerne bereit, hin und wieder mal ein klein wenig Geld in ihren Fortbestand zu investieren. Sofern ich denn darum gebeten werde.

Merchandise

Traurige Tatsache ist, dass viele Menschen zwei Mal drüber nachdenken, ob sie läppische 5€ für eine hochklassige App bezahlen wollen. Für ein T-Shirt wird hingegen ohne zu zögern gerne mal ein vielfaches hingelegt. Bis sich eine kollektive Wertschätzung für hervorragende Software entwickelt, kann es also ein durchaus reizvoller Gedanke sein, seine Marke anhand von Merchandise zu vergolden.

Grundvoraussetzung dafür ist ein richtig, richtig starker Brand. Wie auch beim vorherigen Modell Patronage & Spenden gilt: nur wer sich bereits ganz tief in’s Herzen seines Publikums geschmeichelt hat, darf darüber nachdenken, seine Marke auf Schlüsselanhänger, Tassen und T-Shirts zu bringen.

Ein derart beliebter Brand ist nur den Wenigsten vergönnt, wer es aber geschafft hat, der kann auf diesem Weg potenziell mehr Geld verdienen, als durch seine App Verkäufe. Und wenn dann noch der Film zur App in’s Kino kommt… 🎉

Fazit

Sobald Geld in’s Spiel kommt, wird es heikel. Publisher müssen sich Gedanken machen, welche Monetarisierungsmodelle sich für ihre Apps am besten eignen und bereit sein, damit zu experimentieren. Das allerdings darf nicht zu Lasten des Vertrauensverhältnises mit den App Nutzern gehen. Eine langfristige Strategie und offene Kommunikation sind daher entscheidend. Und dann aber reiche Eierköpfe, eh klar! 💵 💰 🤑


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.