Bewertungen im Google Play Store und Apple App Store

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Die Konkurrenz in den Stores ist inzwischen riesig. Vor dem Download oder Kauf schauen Nutzer vor allem auf die durchschnittliche Bewertung. Apps mit weniger als 3,5 Sternen haben es schwer, besonders wenn die Alternativen besser bewertet und nur einen Wimpernschlag entfernt sind.

Zurecht suchen Publisher händeringend nach Tricks und Kniffen, mit denen sie Ihren Apps zu mehr Sternen verhelfen können. Wir zeigen die gängigsten Methoden und warnen vor fehlgeleitetem Aktionismus.

Komm schon, bitte bitte

Jeder kennt diese nervigen Apps, die gefühlt alle zwei Tage nach einer guten Bewertung betteln. Oft wird damit das Gegenteil erreicht und führt sogar dazu, dass es vor lauter Frust über die nervigen Meldungen eine schlechte Bewertung hagelt. Denn eigentlich will man ja gerade die App nutzen, nichts anderes.

Fairerweise muss man sagen, dass dieses um Bewertungen Betteln oftmals aus der Not geboren ist. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass man zwar liebend gerne seinem Frust Luft verschafft, seine Zufriedenheit aber lieber für sich behält. Dazu kommen schlechte Bewertungen von Nutzern, die eine App entweder nicht verstehen, sich vor dem Download nicht informiert und mit falschen Erwartungen losgelegt haben, oder eine App und den Service dahinter verwechseln. Wenn das Essen vom Inder letzte Woche nicht geschmeckt hat, kann die Lieferservice-App eigentlich herzlich wenig dafür. Ist im Zweifelsfall aber auch herzlich egal. 1 Stern!

In Summe führt das dazu, dass Apps oftmals unfair oder unverhältnismäßig schlecht bewertet sind. Publisher werden nervös und versuchen durch andauernde „Komm schon, bitte bitte“ Meldungen gegenzusteuern. Die Nutzer sind davon wiederum genervt und so drehen sich alle im Kreis.

Apple hat dieses Problem erkannt und mit iOS 10.3 Entwicklern eine extra API mit dem wohlklingenden Namen SKStoreReviewController zur Verfügung gestellt, mit der sie künftig ihre User um eine Bewertung bitten können. Und auch sollen. Denn wer weiterhin mit seiner eigens gebastelten Lösung arbeitet, riskiert, aus dem App Store geschmissen zu werden.

Die Regeln sind einfach: eine App (nicht etwa eine App-Version) darf nur drei Mal im Jahr um eine Bewertung bitten. Mehr nicht. Dafür muss der Nutzer nicht länger die App verlassen und den Umweg über den App Store gehen, sondern kann direkt innerhalb der App seine Sterne und optional auch eine Review abgeben. Bleibt zu hoffen, dass auch Android eine derart nutzerfreundliche Lösung einführt.

Für Publisher wird es durch diese Änderung allerdings tendenziell schwerer, viele gute Bewertungen in den Store zu kanalisieren. Umso wichtiger, es richtig zu machen, wenn man die Chance dazu hat.

Spreu und Weizen

Wer mit seiner App stumpf nach einer Bewertung fragt, läuft Gefahr, aktuell unzufriedene Nutzer in den Store zu bitten, um dort ihren Frust abzuladen.

Mit einem einfachen Kniff lässt sich das verhindern. Statt direkt nach einer Bewertung zu fragen, checkt man erstmal die Temperatur:

„Magst du unsere App? Oder hast du Verbesserungsvorschläge für uns?“

Zufriedene User kann man im Anschluss guten Gewissens um eine Bewertung im Store bitten. Allen anderen bietet man lieber den direkten Austausch an, zum Beispiel per Email. Auf diesem Wege fühlt sich der Nutzer mit seinen Problem ernst genommen, und außerdem wird die ganze Kommunikation vom Store in einen viel produktiveren Kanal verlagert. Somit entsteht ein Austausch, von dem potenziell beide Seiten etwas haben und es kommt gar nicht erst zu einer schlechten Bewertung im Store.

Timing ist alles

Wenn ich beim ersten oder zweiten Start einer App nach meiner Meinung gefragt werden, zeigt mir das vor allem eines: da hat jemand nicht mitgedacht. Wie soll sich jemand eine Meinung bilden, wenn er kaum Zeit hatte, die App auszuprobieren?

Ein anderer Klassiker: eine App stürzt ab oder hängt, beim nächsten Start wenige Sekunden darauf wird aber treudoof nach einem Fünf Sterne Rating gefragt. Derartige Beispiele gibt es zuhauf. Nothankyou.

Es ist immens wichtig, seine Nutzer zu verstehen, um den richtigen Zeitpunkt zu definieren, an dem man um eine gute Bewertung bittet.

Das kann je nach App ganz unterschiedlich aussehen. Als Anbieter einer CRM App brauche ich niemanden um eine gute Bewertung bitten, der bisher nur Mama, Papa, Oma und Opa in seiner Kontakteliste angelegt hat. Und eine Shopping App tut vermutlich gut daran, direkt nach dem Abschicken einer wiederholten Bestellung den Bewertungs-Dialog anzubieten, schließlich befindet sich der User in diesem Moment in Shopping Ekstase und ist voller Vorfreude ob seiner gerade getätigten Bestellung.

Kenne deine Nutzer und mach dir Gedanken, wer und wann überhaupt in der Lage ist, eine gute Bewertung abzugeben. Wer seine User wie eine dumme Fünf-Sterne-Armee behandelt, wird sich jedenfalls keine Freunde machen.

Kommentieren, korrigieren

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Nutzer lesen Reviews von anderen Nutzern und lassen sich dadurch beeinflussen. Ein einziger vor Wut strotzender Kommentar kann viele potenzielle Nutzer davon abhalten, der App eine Chance zu geben.

Viele negative Reviews beinhalten berechtigte Kritik. Manche aber sind einfach nur dumm oder falsch.

Darum ist es wichtig - und auch völlig legitim - Falschaussagen zu korrigieren. Selbstredend macht der Ton die Musik, aber es gibt keinen Grund, warum man Unsinn einfach so im Raum stehen lassen sollte, auch wenn der Unsinn von den eigenen Nutzern verbreitet wird.

Ebenso ist es wichtig, valide Kritik anzunehmen und in seiner Antwort persönlich und ernsthaft darauf einzugehen. Copy & paste Gelaber braucht kein Mensch. Wer die Kritik seiner verärgerten Nutzer ernst nimmt, hat gute Chancen sie schon mit dem nächsten Update wieder auf seine Seite zu ziehen.

Elegant und indirekt

Es muss nicht immer der Holzhammer sein. Oder in diesem Fall der Dialog, der den Nutzer, plötzlich in dem was gerade machen möchte, unterbricht.

Warum nicht auch einfach mal dezent im Einstellungen- oder Mehr-Bereich auf die Möglichkeit, die App zu bewerten, hinweisen? Vielleicht ja sogar mit einem netten oder witzigen Spruch?

Das wär doch mal was.

Selbst ist der Depp

Niemals aussterben wird diese spezielle Art von Schlaubergern, die meint, mit viel Geld und wenig Moral lässt sich schon alles irgendwie regeln.

Kein Wunder also, dass es diverse Anbieter gibt, bei denen man sich gute Bewertungen für seine App einkaufen kann. Das tolle daran ist, dass man im Doppelpack auch noch ein wenig Rabatt für seine erfundenen Instagram Follower bekommt. Das blöde daran ist, dass jeder halbwegs zurechnungsfähige Mensch diesen Betrug sofort durchschaut.

Was in den sozialen Netzwerken die riesige Diskrepanz zwischen Follower-Anzahl und Interaktionen mit den Inhalten ist, sind in den App Stores die immer ähnlich klingenden und schlecht übersetzten Reviews. Das fördert dann solche Perlen zu Tage wie bei dieser App, die scheinbar sehr sehr übersichtlich ist:

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Bemerkenswert ist, dass die Suche nach einem Beispiel weniger als 20 Sekunden gedauert hat.

Abseits davon, dass man mit derartigem Betrug die Richtlinien von Apple und Google verletzt, ist der positive Effekt zumindest fragwürdig. Selbst, wenn ein Nutzer das böse Treiben nicht durchschaut, wird er spätestens nach dem Download wissen, woran er ist. Oder besser gesagt, worin er ist. In einer beschissenen App nämlich, die es nötig hat, so zu tun, als wäre sie gut.

Übrigens: die eigene App gemeinsam mit den Kollegen zu bewerten ist zwar besser, aber auch nicht wirklich gut. Und wenn es doch unbedingt sein muss, dann strengt euch doch bitte zumindest ein klein wenig an, damit eure Rezension nicht ganz so nach Marketing-Gewäsch klingt. Danke.

Premium, Premium, Premium

Am aller-aller-aller-wichtigsten und leider oft vernachlässigt: nichts geht über eine richtig gute App!

Wer seine Nutzer mit einer App begeistern kann, der braucht sich keine Gedanken über die genannten Tricks zu machen. Und eine schlechte App kann auch mit den besten Marketing-Kniffen keine Fünf-Sterne-Bewertung herbeizaubern.

Qualität wird sich immer durchsetzen und dafür sorgen, dass genug Nutzer ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen - sei es im Store oder im Gespräch mit ihren Mitmenschen. Diese Form der aufrichtigen Anhängerschaft lässt sich durch nichts anderes ersetzen oder gar erzwingen.

An erster Stelle steht unweigerlich immer ein vernünftiges Konzept und eine gute Umsetzung. Alles andere kann auf dem Weg zur perfekten Fünf-Sterne-App zwar helfen, aber keinesfalls ein mittelmäßiges Produkt ausgleichen.


 Herr Clauß

Herr Clauß

 Herr Raimund

Herr Raimund

 

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Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.