Push Notifications Teil I: Einstellungssache

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Immer mehr Smartphonebesitzer fühlen sich gestresst. Der Schuldige ist schnell gefunden: diese verdammten Push Notifications natürlich! Aber vielleicht liegt ja alles nur an den eigenen Geräte-Einstellungen und der Alltag mit dem Smartphone könnte mit wenig Aufwand auf einen Schlag sehr viel angenehmer gestaltet werden?

Außer Kontrolle

Für App Publisher sind Push Notifications ein mächtiges Werkzeug. Sie sind ein direkter Kanal in die Hosentasche der Nutzer und können sehr vielseitig eingesetzt werden. Kein Wunder also, dass viele Publisher im Marketingrausch völlig euphorisiert über die Stränge schlagen.

Als Nutzer freut man sich tendenziell darüber, wichtige Mitteilungen von seinen Apps zu erhalten und möchte den Service in vollem Umfang nutzen. Nur logisch also, dass man bei der Rückfrage, ob eine App künftig Mitteilungen schicken darf, im Zweifelsfall zustimmt. Was allerdings viele nicht wissen: Wurde dem Empfang von Mitteilungen zugestimmt, sind meist alle Optionen aktiviert. Die App darf an allen Ecken und Enden scheppern.

In Summe führt das dazu, dass das Handy gefühlt alle zwei Minuten aufblinkt und um Aufmerksamkeit bettelt. Dabei möchte man doch gerade eigentlich etwas Wichtiges fertig machen oder gepflegt entspannen.

Die gerne mal propagierte Lösung, rigoros alle Push Notifications zu deaktivieren, ist Schwachsinn. Das wäre so, wie seinen Email Account zu löschen und komplett auf Emails zu verzichten, nur weil man sich bei ein paar Newslettern angemeldet hat.

Aber es gibt Hoffnung. Unsere Smartphones bieten mittlerweile durchdachte Werkzeuge an mit denen wir die Quälgeister bändigen und unsere Konzentration auf das Wesentliche wieder zurückgewinnen können. Ohne dabei wichtige Meldungen zu verpassen. Ein paar Schalterkombinationen sind für manche Apps weitaus besser geeignet als für andere. Es gibt Mitteilungen, von denen wir sofort erfahren müssen. Alle anderen können in einem selbstgewählten Moment der Ablenkung, beispielsweise an der Bushaltestelle, angeschaut werden.

Schauen wir uns also am Beispiel iOS die möglichen Einstellungen, deren Bedeutung und einen praktikablen Weg aus der Notification-Misere an. Bei Android gilt natürlich, wie so oft, dasselbe in Grün.

Einstellungen

In der Einstellungen App werden unter Mitteilungen alle installierten Applikationen aufgelistet, die theoretisch Mitteilungen anzeigen können. Wählt man eine App aus der Liste aus, kann man für sie spezifische Einstellungen vornehmen.

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  1. Mitteilungen erlauben: der Chef. Wenn dieser Schalter deaktiviert ist, kann die App keine Mitteilungen mehr anzeigen.
  2. Töne: legt fest, ob bei Empfang einer Mitteilung ein Sound abgespielt werden soll oder nicht. Der Sound kann entweder durch die App selbst definiert werden, oder aber es wird der durch den Nutzer in den Systemeinstellungen festgelegte Sound verwendet. Ist das Gerät auf lautlos gestellt, vibriert es stattdessen.
  3. Kennzeichenzähler: legt fest, ob am App Icon ein roter Kreis mit einer Zahl darin angezeigt werden darf.
  4. Im Sperrbildschirm: der Sperrbildschirm leuchtet auf, wenn man eine Mitteilung erhält, während das Handy gerade gesperrt ist.
  5. Im Verlauf anzeigen: den Verlauf erreicht man, indem man vom oberen Rand des Geräts nach unten wischt, oder alternativ auf dem Sperrbildschirm nach oben scrollt.
  6. Als Banner anzeigen: diese Einstellung greift nur, wenn das Handy zum Zeitpunkt der Mitteilung gerade verwendet wird. In diesem Fall fährt vom oberen Rand ein Banner in den Screen, der entweder kurz darauf wieder verschwindet, oder aber dauerhaft stehen bleibt, bis er geöffnet oder geschlossen wird.
  7. Vorschauen zeigen: legt fest, ob der Inhalt einer Notification immer, erst nach dem Entsperren (über FaceID oder TouchID) oder gar nicht angezeigt werden soll. In jedem Fall angezeigt wird das Icon und der Name der App, von der die Mitteilung stammt. Diese Einstellung kann unter Mitteilungen global für alle Apps getroffen und dann bei Bedarf für spezifische Apps angepasst werden.

So wird‘s besser

Wer will, der kann sich natürlich einen halben Tag im stillen Kämmerlein einsperren und strukturiert die gesamte Liste aller Apps durchgehen, die sich für den Empfang von Mitteilungen angemeldet haben. Wir empfehlen jedoch ein inkrementelles Vorgehen über ein paar Tage und Wochen hinweg. Das ist weniger eintönig und spart unnötige Arbeit.

Wann immer also eine Push Notification auf dem Handy eintrifft, stellt man sich die Frage, ob man von dieser App überhaupt Mitteilungen erhalten möchte, wie wichtig einem diese Notifications sind und wie zeitkritisch man sie einschätzt.

An oder aus - das ist hier die Frage

Ist die Notification inhaltlich komplett wertlos oder sogar nervige Werbung, kann man im ersten Schritt einen Blick in die App selbst werfen. Vielleicht gibt es dort die Möglichkeit, ungewünschte Arten von Mitteilungen gezielt zu deaktivieren und sinnvolle beizubehalten. Beispielsweise möchte ich von einem Onlineshop zwar gerne Mitteilungen zum Versandstatus meiner Bestellung erhalten, allgemeine Marketingaktionen interessieren mich jedoch nicht.

Gibt es innerhalb der App keine derartigen Einstellungsmöglichkeiten, kann man unter Mitteilungen den Empfang von Notifications komplett deaktivieren. Dann ist Ruhe.

Sperrbildschirm vs Verlauf

Diese Entscheidung hat den größten Einfluss auf den Alltag und die meisten Apps sind standardmäßig falsch eingestellt.

Wichtige, und vor allem zeitkritische, Mitteilungen dürfen gerne auf den Sperrbildschirm. Beispielsweise möchte man schnell auf potenziell dringliche Nachrichten aus Messenger Apps reagieren können, über Breaking News informiert werden oder eine Erinnerung für einen anstehenden Termin erhalten.

Die meisten Mitteilungen können aber getrost ein, zwei Stunden warten und es reicht vollkommen aus, diese zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen. All diese Notifications braucht man also nicht im Sperrbildschirm. Es reicht aus, sie im Verlauf zu sammeln. Passt es einem gerade zeitlich gut rein, wirft man einen Blick in den Verlauf und öffnet die gerade interessanten Mitteilungen. Alle anderen sind bei Bedarf schnell gelöscht.

Sound, Banner und Vorschauen

Reine Geschmackssache.

Rücksichtsvolle Menschen haben ihr Smartphone selbstverständlich immer auf lautlos eingestellt und können sich je Applikation überlegen, ob das Handy bei Empfang einer Notification vibrieren soll oder nicht. In den meisten Fällen braucht es diese zusätzliche Stufe der Aufmerksamkeitsgenerierung vermeintlich nicht. Alle anderen stellen bevor sie weiterlesen jetzt bitte erstmal ihr Gerät auf lautlos und versuchen sich ab heute als vorbildlicher Teil der Gesellschaft zu präsentieren. Besten Dank.

Für Apps, deren Mitteilungen auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden dürfen, sollte man die Banner Anzeige aktivieren, andernfalls würde man während der Benutzung seines Smartphones nichts von den Notifications dieser Anwendungen mitbekommen. Bei allen anderen Applikationen kann man sich überlegen, ob man während der Smartphone-Nutzung gerne von App zu App springen möchte. Wenn ja, dann kann man die Banner Anzeige getrost aktivieren. Andernfalls reicht es aus, wenn die Mitteilung ohne extra Hinweis in den Verlauf wandert.

Die passende Vorschauen anzeigen Einstellung richtet sich danach, wie sehr man seine Privatsphäre schätzt. Wer sicherstellen möchte, dass niemand während der eigenen Abwesenheit die Inhalte der Mitteilungen liest, kann das jedenfalls auf diesem Wege steuern.

Fein-Tuning

Wer sich, so wie wir, von offenen ToDo‘s gerne mal etwas stressen lässt, der wird gewiss nicht glücklich, wenn an jedem zweiten App Icon ein roter Kreis: „Hier ist noch etwas zu erledigen“ schreit. Die wenigsten Apps brauchen einen Kennzeichenzähler. Besonders Social Media Apps übertreiben es damit gerne und dadurch konkurrieren beliebige Facebook Hinweise mit relevanten Aufgaben, Erinnerungen oder unbeantworteten Nachrichten. Weg damit.

Manche Apps hat man auf mehreren Geräten installiert, auch wenn man sie in 99% der Fälle nur auf einem davon nutzt. Netflix beispielsweise wird man eher auf dem Tablet als auf dem Smartphone nutzen und somit reicht es aus, Mitteilungen von Netflix nur auf seinem Tablet zu aktivieren.

Just do it

Wer unseren Vorschlägen und Empfehlungen eine echte Chance gibt, wird innerhalb kürzester Zeit eine spürbare Veränderung zum Positiven hin feststellen. Versprochen.

Und wenn sich das nächste Mal jemand über sein nerviges Smartphone beschwert, darf man gerne charmant darauf hinweisen, dass es sich um ein hausgemachtes Problem handelt, an dem man leicht etwas ändern kann. Auf diesen Artikel zu verweisen ist eine besonders elegante Variante dafür.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.