Mehrsprachigkeit: wie man seine App internationalisiert

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Wenn die App in der Heimat funktioniert, ist es an der Zeit den Rest der Welt zu begeistern. Zusätzliche Sprachen müssen her. Was nach einem Kraftakt klingt, ist eigentlich ganz einfach. Hier ein kleiner Leitfaden, damit auch wirklich gar nichts schief geht.

Was muss alles übersetzt werden und wie funktioniert das technisch?

Statische App Inhalte

Einige Texte werden immer offline in der App hinterlegt. Die Bezeichnung von Buttons zum Beispiel, Menüpunkten oder anderen gleichbleibenden Elementen innerhalb der App.

Diese Texte befinden sich in strukturierten Textdateien, die jeder mit ein klein wenig technischem Verständnis und einem Text-Editor bearbeiten kann. Einfach die deutsche Sprachdatei kopieren und alle deutschen Bezeichnungen auf Spanisch übersetzen. Anschließend muss der Entwickler nur noch das spanische Sprachfile in der App hinterlegen und ein Update der App ausrollen.

Wenn sich die Freunde vom Übersetzungsbüro vor XML- und JSON-Dateien erschrecken, dann können die Sprachdateien mit geringem Aufwand in ein vertrautes Excel Format gebracht werden, welches dann als Brücke zwischen App und Übersetzer fungiert. Alternativ gibt es dafür auch schicke Software-Lösungen wie OneSky oder Tethras.

Nachdem die neue Sprache hinzugefügt wurde, muss gründlich getestet werden. Oft sind Bezeichnungen plötzlich länger als bisher und passen nicht mehr in den dafür vorgesehenen Rahmen. Und einen ausgepunkteten Text auf einem Button, das will natürlich keiner sehen. Geschweige denn klicken.

Dynamische App Inhalte

Alle nicht statisch hinterlegten Texte holt sich die App über Schnittstellen von einem Server. Diese Inhalte müssen auf dem Server in den zusätzlichen Sprachen bereitgestellt werden.

Damit der Server weiss, in welcher Sprache er antworten soll, muss die App dahingehend erweitert werden, dass sie ihre aktuelle Spracheinstellung bei jeder Schnittstellenanfrage mitschickt.

Da die App nicht weiss, was genau das Backend an Texten schickt, muss sie smart und defensiv entwickelt werden:

  • Für den Fall, dass Datenschrott, oder unerwartete Sonderzeichen, wie Emoticons geschickt werden, muss sichergestellt sein, dass die App nicht abstürzt oder ein anderes Fehlverhalten zeigt
  • Schickt das Backend wider Erwarten gar keinen Inhalt für ein bestimmtes Feld, muss es eine entsprechende Fallback-Lösung geben, beispielsweise einen optisch leicht abgesetzten Hinweistext für den Nutzer
  • Die App muss lange Texte antizipieren und je nach Kontext eine Lösung dafür anbieten, sei es auspunkten, ein scrollbarer Bereich oder ein sich in der Höhe dynamisch an den Text anpassendes Element

Marketing Inhalte

Rund um die App gibt es meist eine Menge Marketing Material. Die Landingpage im Web, das sexy Youtube Video, natürlich der App Store Auftritt bei Google und Apple, und vieles mehr. Auch diese Texte müssen natürlich überall entsprechend lokalisiert werden.

Die App Stores bieten entsprechende Oberflächen an, um alle Inhalte wie die Texte, Keywords und Screenshots in den gewünschten Sprachen zu hinterlegen. Für alles andere wenden Sie sich bitte an die jeweiligen Experten - wir machen hier Apps und das ist auch gut so! 🙌

Kleine Anmerkung am Rande: eine App kann auch ohne passende Übersetzung in jedem Land angeboten werden, das ist sogar der Standard. Wer möchte, kann aber auch einstellen, in welchen Ländern seine App zum Download angeboten wird.

Worauf gilt es noch zu achten?

Sprachauswahl

Von Webseiten bekannt ist die Auswahl der gewünschten Sprache über ein dediziertes Menü. In Apps geht das eleganter.

Jeder User hat in den Geräte-Einstellungen seine bevorzugte Sprache festgelegt. Apps können diese Einstellung auslesen und darauf reagieren. Hat ein Nutzer im System Spanisch eingestellt und die App unterstützt diese Sprache, wird sie ohne jegliches Zutun durch den Nutzer richtig eingestellt - Simsalabim! ✨

Unterstützt die App nicht die in den Geräte-Einstellungen festgelegte Sprache, wird ein definierter Fallback verwendet, zum Beispiel Englisch. Yes we can.

Google Translate

Schlecht übersetzte Texte können schnell peinlich werden. Bevor man also voller Tatendrang mit dem Wörterbuch oder Google Translate blind alle Texte 1:1 übersetzt, besser nochmal innehalten und überlegen, ob es nicht doch besser ist einen Übersetzer zu beauftragen.

Wenn der Übersetzer richtig gut ist, dann kennt er auch die länderspezifischen Gepflogenheiten und trifft nicht nur die richtige Wortwahl, sondern auch den richtigen Ton.

Bilder ohne Text

In Apps hat Text auf Bildern nix verloren. Nicht nur, weil man sich dadurch sein stringentes Schriftbild kaputt macht, schließlich werden Bilder je nach Displaygröße unterschiedlich dargestellt.

Auch für die Übersetzung macht man sich so das Leben unnötig schwer, da man bei jeder zusätzlichen Sprache alle Bilder anpassen muss. Und diese Bilddateien liegen dann mehrfach dupliziert, dick, fett und feist auf dem Server oder in der App und fressen massig Speicherplatz. Quatsch sowas.

In diesem Sinne: Internationalisierung? Just do it! Adios.


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.