Bitte nur noch gute Apps!

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In den beiden großen App Stores gibt es inzwischen über 5 Millionen Apps mit weit über 200 Milliarden Downloads. An Ideen, Entwicklern und Interesse mangelt es also nicht. 

Das Problem ist nur, dass bei genauerer Betrachtung die meisten Apps ein trauriges Dasein in den dunklen Ecken der App Stores fristen, entweder gänzlich unbeachtet oder schlecht bewertet und von niemandem gewollt. Einem Großteil dieser Apps geschieht das recht. 

@@Die Welt braucht keine fetzigen Marketing Apps und auch nicht zig Kopien erfolgreicher Vorreiter!@@

Schade ist allerdings, wenn die Grundidee einer App eigentlich genial ist aber trotzdem eine minderwertige Anwendung daraus wurde. Dann wurde kräftig Zeit, Nerven und womöglich Geld verbraten und viel Potential verschenkt.

Und damit muss jetzt endlich Schluss sein! Nur wie?

Eine Garantie für eine 5-Sterne App gibt es nicht. Aber es gibt durchaus ein paar typische Stolperfallen die man vermeiden, und Leitfäden, an die man sich halten kann. 

Und genau die schauen wir uns jetzt an, aufgeteilt in drei Bereiche: Daseinsberechtigung, Umsetzung und Weiterentwicklung.

Die Daseinsberechtigung

Ob deine App eine Daseinsberechtigung hat oder nicht, dafür gibt es zwei entscheidende Faktoren. 

Der erste ist, wie gut die Idee ist und der zweite, wie die Konkurrenz aufgestellt ist.

Die Idee

Es passiert ganz schnell, dass man sich in die eigene App Idee verliebt und dabei die Fähigkeit des kritischen Hinterfragens verliert. 

Nutze ich diese App regelmäßig? Ist die Zielgruppe groß genug? Braucht es diese App wirklich? 

Wer sich diese Fragen nicht stellt, der läuft Gefahr viel Zeit, Herzblut und Geld an der falschen Stelle zu verschwenden. 

Ein so simpler wie effektiver Kniff in dieser Phase ist, das Umfeld nach seiner Meinung zu fragen. Du wirst überrascht sein, wie viele deiner Annahmen sich als falsch herausstellen und wie viele unterschiedliche Blickwinkel es auf deine Idee gibt. 

Auch wenn es nur natürlich ist, die eigene App zu verteidigen: Versucht gemeinsam und entschlossen das Grundkonzept der App kaputt zu machen. Wenn das nicht klappt, dann bist du auf einem guten Weg und hast nebenbei noch ein paar frische Ansätze gewonnen.

Besonders wichtig ist dieses Vorgehen, wenn du planst, eine App für eine spezifische Zielgruppe zu entwickeln. 

Es ist erstaunlich und fahrlässig, wie viele Produktverantwortliche sich nicht die Mühe machen, schon zu Beginn des Projekts intensiv mit ihrer Zielgruppe zu sprechen und stattdessen auf ihre getroffenen Annahmen vertrauen.

Auf diese Art wirst du sehr schnell ein klares Gefühl dafür bekommen, ob es sich lohnt, deine Idee weiter zu verfolgen. Wenn aber die Zweifel überwiegen, gräme dich nicht, lass los und geh zurück ans Reissbrett. Die nächste Idee ist vielleicht schon die Richtige. 

Wenn du aber von allen Seiten zustimmendes Nicken erntest, die Welt also nur noch auf deine App wartet und du weiterhin leidenschaftlich daran glaubst, dann ist es Zeit für den zweiten Check: Gibt es Konkurrenz?

Die Konkurrenz

Mit den Worten des Neuzeitpoeten Nasir Jones:

There’s nothing new under the sun. It’s never what you do, but how it’s done

Die Wahrscheinlichkeit, dass vor dir noch kein Mensch auf die selbe Idee gekommen ist, liegt nahezu bei Null. Das sollte dich aber nicht entmutigen, ganz im Gegenteil. Denn hätte jemand die Idee richtig angepackt, dann wüsstest du vermutlich davon. 

Außerdem gibt es fast immer Möglichkeiten, das Bestehende besser zu machen. Nachdem man sich seiner Idee sicher ist, sollte der erste Blick also in die App Stores und über die Google Suche führen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Stellst du fest, dass du keine nennenswerte Konkurrenz hast, dann ist das nicht automatisch als Freifahrtschein zu verstehen. Es ist möglich, dass es gute Gründe dafür gibt, die du bisher übersehen hast. Nimm das also als Anlass, nochmal besonders kritisch über deinen Ansatz nachzudenken. Wenn du dann noch immer keine Probleme erkennen kannst, dann hast du vielleicht wirklich das goldene Ticket in der Hand und solltest deine Bemühungen intensivieren.

Wahrscheinlicher ist jedoch dass du eine ganze Menge Applikationen finden wirst, die bereits dasselbe oder etwas sehr ähnliches machen. Das ist aber kein Grund aufzugeben, sondern der Zeitpunkt um die Mitstreiter genauer zu beleuchten. 

Gibt es Dinge, die von den Usern immer wieder als Kritik geäußert werden, die du besser machen kannst? Wie kannst du dich ausreichend differenzieren um sicherzustellen, dass neue Nutzer zu deiner App und nicht zur Anderen greifen? Je mehr Ansätze du findest, wie du dich von der Konkurrenz abheben kannst, desto besser sind deine Chancen, die Nutzer der bestehenden Apps von einem Wechsel zu dir zu überzeugen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn du dich mit einer gut bewerteten Applikation anlegst, die schon sehr viele aktive Nutzer hat. Wir alle sind Gewohnheitstiere und haben eigentlich keine Lust auf Veränderung. Umso überzeugender muss daher der Mehrwert deiner App sein, wenn du die Nutzer der Konkurrenz-Anwendung zu einem Wechsel bewegen willst.

Davon ausgehend, dass deine App eine Daseinsberechtigung hat, beginnt jetzt der zweite große Abschnitt auf dem Weg zu deiner Applikation:

Die Umsetzung

Der erste Reflex wenn es um die Umsetzung geht ist oft:

Die Idee steht, jetzt fehlt nur noch ein Entwickler.

Weit gefehlt! An exakt diesem Denken scheitern die meisten Apps da draußen. 

Wir vergleichen das gerne mit einem Hausbau. Wenn du vor hast, dein Traumhaus zu errichten, dann gehst du nicht als erstes zur Baufirma. Die wird keine deiner Ideen hinterfragen und will nur möglichst viel Umsatz an dir machen, ob das dann langfristig in deinem Sinne ist oder nicht. 
Stattdessen gehst du zu einem Architekten und arbeitest mit ihm gemeinsam an der Blaupause, besprichst wie das Licht fällt und ob der Pool auf dem Dach wirklich sein muss.

Genauso läuft das auch bei einer App. 

Und darum gehst du nicht direkt zu einem Entwickler, der dir inhaltlich zwar richtig, aber völlig verfehlt sagt “technisch machbar ist alles”. Stattdessen sprichst du mit einem Konzepter und arbeitest mit ihm gemeinsam an der Blaupause deiner App. 

Dabei wird ein guter Konzepter immer versuchen, so viel es geht zu streichen, um zum wahren Kern deiner App Idee zu kommen und dafür die bestmögliche Lösung zu finden. Weniger ist mehr. Wirklich. 

Und auch wenn es dann manchmal pedantisch wirken mag, wenn über einen Klick hin oder her diskutiert wird: Für den Nutzer deiner App kann es einen Riesenunterschied machen, ob er sich jeden Tag über diesen einen dummen extra Klick ärgern muss oder nicht. 

Und das wird sich dann auch bei der Bewertung deiner App zeigen.

Ein gutes Konzept ist entscheidend und die Basis für die angeschlossenen Aktivitäten im Design und der Entwicklung. 

Kein Entwickler wird sich bei einem detaillierten Konzept in seiner Kreativität eingeschränkt fühlen. Im Gegenteil! Wenn klar ist, was hinten rauskommen soll, kann er sich komplett auf das konzentrieren, was er am besten kann: hochfeinen Code schreiben. Es bleibt umso mehr Zeit für eine robuste Software Architektur, eine performante Applikation und sexy Übergänge zwischen den Screens. 

Nicht anders ist das bei einem Designer. Auch der nimmt die konzeptionelle Vorarbeit dankend an und glänzt auf dieser Basis dann mit seiner Expertise von der Farblehre, dem Icon Design und dem pixelperfekten Padding.

Ob Konzept, Design oder Entwicklung, jede Disziplin ist ein Universum für sich, in das man tief eintauchen muss, wenn man vorhat etwas von Bestand zu machen, was Nutzer gerne in der Hand haben.

Wenn du deine App Idee realisieren willst, dann mach es richtig! Die Ansprüche der Nutzer sind inzwischen so hoch, wie die Konkurrenz groß ist. Und eine Idee mit viel Potenzial an der Umsetzung scheitern zu sehen, das ist tragisch.

Wenn du und dein Superhelden-Team aus Spezialisten ordentlich abliefern, dann wird auch was aus eurer Version 1.0 und du kannst dir Gedanken machen über:

Die Weiterentwicklung

Die erste Version der App ist in den Stores und eine turbulente Zeit liegt hinter dir. Alles in dir schreit:

Bier her, Feierabend, ich geh schlafen.

Am nächsten Tag gehts allerdings gleich weiter. Version 1.0 ist zwar ein wunderbarer Meilenstein, aber nicht etwa ein Abschluss, sondern der Anfang einer ganz neuen Phase: Nun geht es darum die App bekannt und immer besser zu machen. 

Gerne wird vergessen, dass Apps wie Instagram & Co über Jahre hinweg mehrere Major Releases ausgerollt haben und monatlich neue Zwischenversionen publizieren. 

Ganz so extrem muss das natürlich nicht jeder handhaben, aber fast jede App braucht ein paar Iterationen, bis es wirklich Klick macht (“product market fit”) und außerdem setzen Nutzer heutzutage eine kontinuierliche Optimierung der von ihnen genutzten Software voraus. 

Dabei geht es nicht nur um Fehlerbehebungen und das alles muss auch nicht tröge Arbeit sein, sondern bietet vor allem die Chance, seine Nutzer besser zu verstehen und das Produkt auf ihre Ansprüche hin zu optimieren. 

Die richtigen Analyse Tools vorausgesetzt und mit dem Wissen, wie die Daten zu interpretieren sind, kann das eigene Produkt belastbar und effektiv auf Potenzial und Schwachstellen hin untersucht und mit dem nächsten Update direkt reagiert werden. 

Und je besser die App ist, desto leichter tun sich auch die Kollegen aus dem Marketing. Oft entsteht dann auch ein organisches Wachstum durch Weiterempfehlungen durch die Nutzer selbst.

Apropos Marketing: Es ist erschreckend, wie viele Produktverantwortliche sich über alles mögliche Gedanken machen, nicht aber darüber, wie die Welt von ihrer großartigen Anwendung erfährt. 

Apps sind schon lange kein Selbstläufer mehr und eine noch so tolle Applikation im Store ist leider keine Garantie für viel Aufmerksamkeit und massig Downloads. Beschäftige dich früh genug mit Themen wie Akquistion, ASO und Retention, wenn du willst, dass viele Leute von deiner App erfahren, diese herunterladen und dann auch weiter nutzen. 

Du siehst, die Arbeit geht nie aus und falls du doch mal einen Moment denkst, dass jetzt aber wirklich alles perfekt ist, dann kommt schon die neue Betriebsystemversion von Apple oder Google um die Ecke, mit ganz frischen, großartigen Möglichkeiten, auch für deine App. 

Die Herausforderungen bei der eigenen App sind groß, aber das Potenzial ist riesig. Wenn du es denn richtig anpackst. 

Wir helfen dir dabei. 


Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcastfolge.