AirPods — Vorfreude, Sorgen und die Realität

 Hübsch!

Wenn Apple ein neues Produkt vorstellt, beginnen unweigerlich die Diskussionen, ob das jetzt der große Wurf ist oder unverschämte Abzocke und ob Apple überhaupt noch in der Lage ist ein innovatives Produkt erfolgreich zu platzieren. Die Bluetooth Kopfhörer AirPods stellen dabei keine Ausnahme dar.

Ich selbst war, so wie viele andere, erstmal unschlüssig, ob es sich lohnt zuzuschlagen und von den EarPods umzusteigen. Als Entscheidungshilfe für Gleichgesinnte schreibe ich daher über meine Gedanken vor dem Kauf und den Erfahrungen danach.

Zum Zeitpunkt der AirPod Vorstellung war ich mit iPhone, iPad, AppleTV, MacBook und Apple Watch bereits denkbar tief integriert im Apple Universum.

Tagtäglich nutze ich die kabelgebundenen EarPods unterwegs und während geistig wenig fordernden Tätigkeiten im Haushalt oder beim Cardio-Training und gehöre dabei nicht zu den Leuten, bei denen die EarPods einfach nicht halten wollen.

Musik höre ich kaum mit Kopfhörern, ich verwende sie fast ausschließlich zum Telefonieren und für Podcasts. Siri nutze ich gerne für die typischen Basics wie Erinnerungen, Timer und Anrufe, aber nicht darüber hinaus.

Vorfreude & Sorgen

Als ich mich Mitte Februar 2017 für den Kauf entschieden habe, war dafür ein Aspekt entscheidend: Bewegungsfreiheit.

Es nervt einfach, ständig die Kabel vor sich rumbaumeln zu haben und der Umstand ist auch nonstop mehr oder weniger präsent im Hinterkopf. Immer wieder bleibt man in den Kabeln hängen und zieht sich dabei die Kopfhörer raus oder schlimmeres. Tatsächlich ist mir nur ein Mal ein iPhone heruntergefallen und zwar genau aus diesem Grund. Dazu kommt, dass man es hört, wenn das Kabel die Kleidung berührt.

Die Vorstellung, mir darüber keine Gedanken mehr machen zu müssen, war ausreichend verlockend für mich, um zuzuschlagen.

Der Elefant im Raum und die große Sorge war, dass mir die AirPods ästhetisch nicht gefallen. Natürlich wusste ich zwar, wie sie an anderen aussehen — zumindest gewöhnungsbedürftig — aber an einem selbst ist das nochmal eine andere Geschichte.

Auch ein paar Zweifel hatte ich hinsichtlich der Soundqualität, die bei meinen Gesprächspartnern ankommt und wie sich der tagtägliche Einsatz gestaltet: Denke ich an das Aufladen, vergesse ich das Case irgendwo, fallen mir die AirPods runter, muss ich doch immer mal wieder für einen extra Klick zum iPhone greifen?

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Die AirPods im Alltag

Nach zwei Wochen mit meinen AirPods kann ich jetzt von meinen Erfahrungen berichten und ein erstes Zwischenfazit ziehen.

Und das fällt positiv aus.

Erster Eindruck

Fühlt sich gut an, sieht gut aus. So kennt man das von Apple. Das Case schnappt angenehm auf und zu und die Kopfhörer gleiten nach der Benutzung magnetisch geführt zurück in ihre Aufbewahrung. Hach, fein.

Über den schlanken Kopplungsprozess wurde viel berichtet und tatsächlich geht das initiale Verbinden ratzfatz. Das ist nett, aber nachhaltige Begeisterung kann das bei mir nicht auslösen, schließlich mache ich das nur ein einziges Mal. Das war bei der Apple Watch nicht anders.

Schick ist das aber natürlich trotzdem, und so darf das Koppeln von Hardware künftig gerne überall funktionieren, keine Frage.

Spieglein Spieglein an der Wand

Der nächste Schritt nach dem initialen Verbinden führt selbstverständlich umgehend vor den Spiegel. Schon gewöhnungsbedürftig... Ich finde die AirPods sehen ein wenig wie Ohrringe aus. Aber irgendwie auch cool… oder doch nicht?

Ich bin guter Dinge, dass ich mich im Laufe der Zeit mehr und mehr mit der Ästhetik anfreunden werde. Zumindest gibt es objektiv betrachtet keinen Grund, warum ein Kabel, das aus der Hosentasche kommt und bis in den Kopf herein ragt, für mich akzeptabel sein sollte, die AirPods aber nicht.

Die Stärken

Im alltäglichen Gebrauch liefern die AirPods genau das, was ich mir erhofft hatte: das Gefühl von Bewegungsfreiheit.

Unterwegs von A nach B ist es wirklich eine Wohltat, nicht länger an einem Kabel zu hängen. Schon nach kurzer Zeit ist klar, dass “wireless” tatsächlich die Zukunft gehört.

Auch zuhause kann man sich uneingeschränkt (fast wage ich es, entfesselt zu sagen) dem Abstauben widmen und braucht sein iPhone dabei auch nicht mehr mit sich rumtragen. Die Verbindung bleibt selbst bei mittelgroßen Distanzen stabil.

Der Doppeltap auf einen der Kopfhörer, um Siri aufzurufen, klappt wunderbar. Jetzt müsste nur noch Siri ein paar IQ Punkte zulegen.

Das Ladecase sorgt dafür, dass die Akkuladung kein Thema ist und die Kopfhörer auch wirklich jederzeit einsatzbereit sind. Noch dazu sind die AirPods wunderbar leicht und angenehm zu tragen. So sehr, dass man schnell mal vergisst, dass man gerade Kopfhörer trägt.

Dazu kommen viele schöne Details. Nehme ich einen Kopfhörer raus, wird die Wiedergabe automatisch pausiert. Nehme ich beide raus, wird gestoppt. Da hat jemand mitgedacht!

Sehr gut klappt auch die Übergabe zu den AirPods während einem Telefonat. Wenn ich also einen Anruf auf dem iPhone annehme und dabei merke, dass es länger wird, setze ich ganz einfach die Kopfhörer ein und das Gespräch wird ohne weiteres Zutun und ohne wahrnehmbare Unterbrechungen übergeben.

Viel Laune macht auch das Zusammenspiel mit der Apple Watch. Schon schick, mit einem kurzen Blick auf die Uhr den Anrufer sehen und annehmen zu können. Auch klasse ist das Anpassen der Lautstärke über die Krone der Watch.

Noch dazu funktionieren die AirPods auch mit dem Apple TV und lassen sich auch mit jedem Windows oder Android Gerät koppeln.

Und hier noch ein kleiner Tipp vom guten Herrn John Gruber, wie man die Air Pods besonders gut aus dem Case bekommt.

Wermutstropfen

Nicht ganz so intuitiv wie erwartet klappt die Übergabe des Sounds, wenn man zwischen Geräten wechselt. Hin und wieder ist es notwendig, die AirPods nochmal explizit als Ausgabegerät auszuwählen. Hoffentlich wird an dieser Stelle mit kommenden Softwareupdates nachgebessert, damit künftig besser antizipiert wird, was ich gerade will.

Vereinzelt kann man auch ein paar andere vermeintliche Kinderkrankheiten beobachten. So wird zum Beispiel plötzlich die Wiedergabe pausiert oder man versteht seinen Gesprächspartner schlagartig nicht mehr. Akkustisch, versteht sich. Aber auch das sind ebenfalls Themen, die sich durch Softwareupdates in den Griff bekommen lassen sollten.

Als Randnotiz: Wie üblich bei neuen Apple Produkten, ist einem die Aufmerksamkeit seiner Umwelt gewiss. E-Zigaretten Besitzer wissen wovon ich spreche und kennen die Blicke, als wäre man gerade frisch aus einer Zeitmaschine gestiegen. Wer damit ein Problem hat, der sollte sich überlegen, noch ein paar Monate zu warten.

Fazit

Wenn du eine Apple Watch besitzt, nicht sonderlich audiophil bist und kabellose Kopfhörer willst, dann gibt es keinen Grund nicht sofort zuzuschlagen. Das ist die Zukunft.

Für alle anderen sind die smart designten und kleinen AirPods auf jeden Fall eine Überlegung wert, ganz besonders wenn man sich bereits im Apple Ökosystem befindet. Nur wer von seinen kabellosen Headphones satten Sound und warme Ohren erwartet, der ist bei den AirPods sicher an der falschen Adresse.